Mittelstand in Südwestfalen: Hohe Belastungen auch nach Corona

Siegen/Lüdenscheid, 31. Juli 2023

Die Herausforderungen für die mittelständischen Unternehmen in Deutschland sind auch nach dem Wegfall aller Corona-Einschränkungen hoch. Lieferengpässe, der Krieg in der Ukraine, die Energiekrise verbunden mit der Sorge vor einer Gasmangellage und die auf allen Ebenen stark gestiegenen Preise und Kosten lassen keinen Platz für eine echte wirtschaftliche Erholung. Das geht aus dem Mittelstandsbericht von DZ BANK und Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) hervor, für den rund 1.000 Inhaber, Geschäftsführer und leitende Angestellte mittelständischer Unternehmen befragt wurden. Diese Einschätzung teilt auch die Volksbank in Südwestfalen.

Zeigte sich der Mittelstand aufgrund seiner starken Orientierung auf den Heimatmarkt in globalen Krisen in der Vergangenheit noch recht standhaft, war das zuletzt nicht mehr der Fall. „Die Konzentration auf den deutschen Markt hat den meisten mittelständischen Unternehmen in der Vergangenheit eine relativ stabile Entwicklung in Zeiten globaler Krisen gesichert. Selbst in der Pandemie war das für viele Mittelständler der Fall. Die Energiekrise traf die auf den Heimatmarkt angewiesenen Mittelständler allerdings sehr deutlich. Die staatliche Hilfe in Form der Gas- und Strompreisbremse kam nach Meinung der Unternehmer in Südwestfalen erst recht spät. So waren die deutlich erhöhten Energiepreise im vergangenen Jahr eine starke Belastung für die Gesamtwirtschaft und den südwestfälischen Mittelstand und sie sind es in vielen Bereichen noch immer, gerade in energieintensiven Branchen, trotz der seit Jahresbeginn 2023 sich mehrenden Entspannungszeichen“, so Roland Krebs, Vorstandssprecher der Volksbank in Südwestfalen.


Die steigende Kostenbelastung traf die kleinen und mittelgroßen Unternehmen daher auch größer als die internationalen Konzerne, die beispielsweise von den geringeren Energiekosten bei einer (teilweisen) Produktion in den Vereinigten Staaten profitieren konnten. „Auslandsaktive Unternehmen sehen sich mit protektionistischen Maßnahmen der USA konfrontiert. Von dem einen oder anderen Unternehmer aus dem Maschinenbau ist allerdings auf der anderen Seite zu hören, dass sich Amerika als neuer bzw. Ersatzmarkt für die ausgefallenen Regionen ergeben hat. Nach vorne gerichtet lässt sich aber sagen, dass südwestfälische Unternehmer sich den Herausforderungen immer gestellt und in aller Regel auch gute, tragfähige südwestfälische Lösungen gefunden haben“, erklärt Uwe Kleppel, Generalbevollmächtigter und Bereichsleiter Firmenkundenbankgeschäft der Volksbank in Südwestfalen.


Die Lieferengpässe haben sich im Vergleich zum Vorjahr einerseits deutlich entspannt. Uwe Kleppel: „Lieferkettenprobleme bestehen allerdings teilweise weiter. Sie werden aber nicht mehr als das ganz große Problem wahrgenommen, da sich Mittelständler mittlerweile bei ihren Diversifizierungsbemühungen eher auf die Erschließung neuer Märkte fokussieren. Als neue bürokratische Belastung wird hier aber das so genannte "Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz" empfunden, das seit Anfang 2023 in Kraft ist.“


Zuletzt gingen die hohen Inflationsraten langsam wieder zurück. Die hat leider erst einmal nur eine geringere Dynamik bei den Preiserhöhungen zur Folge. „Auch wenn die Preissteigerungen auf Unternehmens- und Verbraucherseite zuletzt an Dynamik verloren haben, gibt es keinen Grund für eine Entwarnung“, sagt Roland Krebs. Niedrigere Preise bzw. sinkende Kosten sind allenfalls in einigen Teilbereichen zu sehen.


A45-Sperrung, Fachkräftemangel und Bürokratie belasten zusätzlich
Neben den aktuell noch spürbaren Auswirkungen der oben angeführten Krisen werfen zunehmend auch zukünftige Herausforderungen ihren Schatten auf den Mittelstand. Beispielhaft sei hier nur auf das Dauerproblem des Fachkräftemangels verwiesen, das sich mit dem bevorstehenden Altersstrukturwandels noch deutlich verschärfen wird. Da ist es nur wenig hilfreich für den Mittelstand, wenn sich die „gefühlte“ Bürokratiebelastung in Deutschland ebenfalls weiter verstärkt. „Die anhaltende A45-Sperrung ist für den südwestfälischen Mittelstand dann noch ein weiterer Wettbewerbsnachteil. Die Brückensprengung kann nur ein Anfang sein. Zügige Schritte zum Wiederaufbau sind dringend erforderlich, denn die Uhr tickt gegen die südwestfälische Wirtschaft“, sorgt sich Uwe Kleppel. „Es bleibt eine südwestfälische Tugend, dass sich die heimischen Unternehmen den mannifaltigen Herausforderungen stellen und immer wieder Lösungsansätze finden“, so Roland Krebs.


Über die Studie

Die Studie „Mittelstand im Mittelpunkt“ über den deutschen Mittelstand wird zweimal im Jahr gemeinsam vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken BVR und der DZ BANK AG erstellt. Sie setzt sich zusammen aus der VR Bilanzanalyse, einer Auswertung der Jahresabschlussdaten, welche mittelständische Firmenkunden für die Jahre 2001 bis 2022 einreichten, sowie der bereits seit 1995 erhobenen VR Mittelstandsumfrage unter mehr als 1.000 mittelständischen Unternehmen in Deutschland.

Pressekontakt

Patricia Langer - Volksbank in Südwestfalen eG